Bewerbung

Große Anerkennung für "Pflege mobil". Ausgezeichnet

Dorothea Hecht, MZ Bitterfeld, 05.07.2008


Freundliches Lächeln, geübte Griffe

Jeden Tag sind die "fliegenden Schwestern" von "Pflege mobil" unterwegs.

Jeden Morgen sind sie mehrere Stunden unterwegs, um pflegebedürftigen Menschen zu helfen: Die "fliegenden Schwestern" vom Pflegedienst "Pflege Mobil" aus Wolfen. Dorothea Hecht hat eine dieser Schwestern begleitet.

Wolfen/MZ. Gabi Lindner ist die Erste. "Bin ich meistens", sagt sie und lacht fröhlich, als sie kurz vor sechs Uhr die Tür zur Zentrale des Pflegedienstes aufschließt. Von Müdigkeit keine Spur. Sie und drei andere Pflegerinnen gehen hier morgens ihre Pläne durch, packen Tabletten für ihre Patienten ab und trinken noch gemeinsam einen Kaffee. Gabi Lindner schüttelt den Kopf: "Nee, Kaffee brauche ich gar nicht. Ich bin gleich soviel auf den Beinen, da kann ich nicht müde werden!" Noch ein letzter Blick auf ihre Liste - 14 Patienten stehen darauf - dann setzt sie sich in eines der kleinen roten Dienstautos.

"Frau Dietze, hier ist Schwester Gabi, schönen guten Morgen", ruft sie, als sie mit ihrem Zweitschlüssel die kleine Zwei-Zimmer-Wohnung betritt. Am anderen Ende kommt ihr schon eine ältere Frau im Nachthemd entgegen. "Ist es schon soweit? Kann ich mich nicht noch mal hinlegen?" fragt sie lächelnd. "Nein, Frau Dietze, ist ja schon fast halb sieben. Gehen Sie schon mal ins Bad, ich komm dann gleich", sagt Gabi Lindner freundlich, aber bestimmt.

Während ihre Patientin sich im Bad selbstständig auszieht, wirft die Schwester in der Küche einen Blick in die Akte, die den Krankheits- und Pflegeverlauf genau dokumentiert. Mit geübten Griffen geht sie die Blätter durch, liest, setzt hier eine Unterschrift, dort ihr Zeichen. "Waschen und Stützstrümpfe anziehen", murmelt sie gedankenverloren - die Aufgaben für diesen Morgen.

"So, Frau Dietze, fertig? Dann legen wir mal los." Während die Schwester Frau Dietze in dem engen Badezimmer den Rücken wäscht, erfährt sie von der älteren Frau die Neuigkeiten über deren Familie. Sie wohnt zwar alleine, ohne die Unterstützung der Verwandten käme sie aber nicht zurecht. Schwester Gabi hört zu und fragt nach, gelegentlich erzählt sie auch selber. Die Patienten vertrauen ihr, gerne würden sie die Schwester noch mehr Anteil an ihrem Leben haben lassen, aber Gabi Lindners Zeit ist begrenzt, andere Patienten warten auf sie. "Man muss lernen, sich zu distanzieren", sagt sie, "auch wenn mich viele praktisch als Familienangehörige sehen - nach der Arbeit muss ich abschalten."

Nach einer guten Viertelstunde steht Frau Dietze gewaschen und angezogen in der Küche. Jetzt noch die Tabletten und ein Glas Wasser -immer steht Schwester Gabi daneben und beobachtet ihre Patientin. Dann zieht sie ein letztes Mal die Akte heran und schlägt noch mal die erste Seite auf: Hier findet sie für jede ihrer verrichteten Arbeiten einen Strich-Code. Nacheinander hält sie einen kleinen Handscanner über die entsprechenden Felder. "Später kann ich das dann einfach in den Computer übertragen", erklärt Gabi, "das ist soviel einfacher als noch vor einem Jahr, da mussten wir noch alles per Hand aufschreiben." Sie verabschiedet sich freundlich, dann ist sie auch schon wieder durch die Tür und auf dem Weg zum nächsten Patienten.

Gerade mal 20 Minuten hat ihr Besuch gedauert. So oder so ähnlich verläuft an diesem Morgen fast jede Visite. Stützstrümpfe, Augentropfen, eine Blutzuckermessung oder nur die Einnahme von Tabletten - Schwester Gabi ist für alles da. Auch eine neue Patientin ist heute mit dabei. Noch ist der Umgang mit ihr ungewohnt, fast ein wenig fremd, doch Schwester Gabi schafft es, durch ein paar freundliche Worte erstes Vertrauen zu schaffen.

"Die Frau ist unkompliziert, weiß aber genau, was sie will", sagt die Schwester nach dem ersten Kennenlernen und dem Abschied von ihrer neuen Patientin. Zurück lässt sie eine grauhaarige Frau, die sichtlich zufrieden vor ihren beiden Schnitten mit Erdbeermarmelade sitzt und den ersten Schluck Tee trinkt.

Ein Großteil der Patienten von Schwester Gabi braucht nur eine kleine morgendliche Starthilfe. Meistens sind es ältere Menschen, die keine Angehörigen haben oder eine Familie, die sich nicht rund um die Uhr kümmern kann. Gabi Lindner kennt viele "Fälle" rund um Bitterfeld und Wolfen, schon seit vier Jahren ist sie inzwischen für den Pflegedienst unterwegs. Erst 1996 schulte sie zur Pflegerin um und absolvierte danach eine Ausbildung zur Krankenschwester. Die Arbeit in der Chirurgie sei spannend gewesen, erinnert sie sich. "Ich hätte damals schon da bleiben wollen, wer will das nicht, aber jetzt würd´ ich nicht mehr tauschen wollen." Sie genießt den intensiven Kontakt mit den Menschen und ihre eigene Freiheit - dass sie "niemanden im Rücken" hat. Keine Oberschwester und kein Arzt sagen ihr, was zu tun ist, sie trifft ihre eigenen Entscheidungen.

Um kurz vor zehn hat Schwester Gabi hinter fast alle Namen einen Haken gesetzt. Nur eine Station steht heute noch auf dem Plan: Die WG Fuhneblick, eine betreute Wohngemeinschaft für Demenzkranke. Auch, wenn ständig eine Pflegekraft bei den Bewohnern ist, kommt Schwester Gabi manchmal vorbei, um Tabletten zu verabreichen - als Krankenschwester hat sie eine Medikamentenlizenz. Durch ihre regelmäßigen Besuche ist Schwester Gabi allen Bewohnern bekannt; sofort wird sie begrüßt und mit dem neuesten Klatsch aus der WG bedacht. Sie lächelt zurück und antwortet jedem, sie fühlt sich wohl - hier und in ihrem Beruf: "Mein Motto ist immer: Ich pflege so, wie ich später selbst mal gepflegt werden möchte." Feierabend hat Schwester Gabi heute aber noch nicht, in knapp einer Stunde geht es weiter zur Mittagsrunde. Und bis dahin? "Vielleicht doch einen Kaffee."
Tablettengabe in der WG für demenzkranke Patienten
Tablettengabe in der WG für demenzkranke Patienten. Schwester Gabi weiß genau, welche Medikamente wer nach dem Essen einnehmen muss. (MZ-Foto: André Kehrer)
 

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