Bewerbung

Große Anerkennung für "Pflege mobil". Ausgezeichnet

Ralf Böhme, MZ Bitterfeld, 05.02.2015


Villa mit Alten-WG

Gemeinsam statt einsam

Sieben Bitterfelder Senioren leben gemeinsam im Erdgeschoss des "Palais am See". Die Zahl der Wohngemeinschaften für Rentner in Sachsen-Anhalt wächst stetig.

Bitterfeld/MZ. Draußen Schneefall über der Goitzsche, drinnen knistern die brennenden Holzscheite im Kaminofen. Leise Musik. Zwei Frauen und ein Mann versuchen sich im Kaminzimmer gerade im Würfelspiel. Jeder der gegenwärtig sieben Mieter in der Senioren-Wohngemeinschaft (WG) "Palais am See" in Bitterfeld kann es sich hier gemütlich machen, Gäste immer eingeschlossen.

Alten-WG ist Zwischenschritt
So eine Alten-WG ist ein Zwischenschritt zwischen alleine Wohnen und stationärer Heimbetreuung. Der große Vorteil: Die gegenwärtig sieben Bewohner richten sich in jeder Hinsicht so ein, wie sie es wollen. So kann für die 70- bis 90-Jährigen vieles so weiter laufen wie gewohnt. Jedes der gut 20 Quadratmeter großen Zimmer mit integriertem Bad bleibt dabei ein ganz privates Reich. Anders als im Heim sagt keiner, ob und wann morgens der Wecker klingelt. Niemand schreibt vor, wann Mittag ist, wie man das Essen zubereitet oder ob man es sich liefern lässt. Der Tagesablauf ist frei bestimmt.

Ein beliebter Treffpunkt ist die große gemeinsame Küche. Dort kann jeder mitreden, wenn wichtige Entscheidungen anstehen - zum Beispiel über den Speiseplan der Woche. Ob gefüllte Paprika oder Hefeklöße mit Kompott - die alten Semester wissen, was zu tun ist. Und zwischendurch gibt es immer viel zu bereden, etwa über Rezepte wie Omas Schokoladensoße. Und auch in der Trickkiste wird gekramt. Wer weiß beispielsweise noch, dass eine aufgeschnittene Zwiebel hilft, Wasserränder an Lederschuhen zu beseitigen?

Elf WGs im Landkreis
Nachmittags sitzt Margot Leifheit am liebsten im Kaminzimmer. Dieses Mal liest die 89-Jährige jedoch kein Buch aus der hauseigenen Bibliothek. Denn ein Brief aus Amerika ist angekommen, von ihrer Enkelin. "Sie studiert und packt es", so ihr Fazit nach der Lektüre. Dann lässt die alte Dame den Blick über den See schweifen. "Und auch mir geht es ganz gut", sagt sie. Die frühere Verkäuferin lebt erst seit einigen Monaten in der Wohngemeinschaft. Was ihr besonders gefällt: Gleich nebenan gibt es einen Friseursalon. Schließlich legt sie auch als Rentnerin auf einen gepflegten Haarschnitt wert.

In Sachsen-Anhalt gibt es noch nicht viele solcher Alten-WG. Nur allmählich sprechen sich die Idee und die Erfahrungen mit dem gemeinsamen Wohnen im Alter herum. Elf der inzwischen 31 Senioren-Wohngemeinschaften bestehen im Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Sechs Landkreise verfügen über kein derartiges Angebot.

Dennoch rechnet das Sozialministerium mit einem Aufschwung dieser Lebensform. Umso mehr, da erfolgreiche Konzepte stets Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen mit einbeziehen. Auch aus diesem Grund kann jede neue WG eine Basisförderung von 10.000 Euro und weitere Hilfen erhalten, so das Landesverwaltungsamt in Halle. Das ist auch die Stelle, die WG-Gründern mit Rat und Tat zur Seite steht.

Das mit mehreren Preisen ausgezeichnete Konzept geht nach den Worten der Bitterfelder WG-Betreiberin Cornelia Heidrich von den Bedürfnissen der Mieter aus. Weitgehende Selbstständigkeit auf der einen, Geborgenheit durch den rund um die Uhr verfügbaren ambulanten Pflegedienst auf der anderen Seite.

Menschen mit wenig Geld werden nicht ausgeschlossen
Eine Millionen-Investition in das neue Gebäude und überdurchschnittlich viel Personal soll beste Bedingungen garantieren. Jeweils zwei qualifizierte Altenpfleger helfen den Bewohnern, gehen auf deren Wünsche ein. Das beginnt beim Einkauf, reicht über den Aufenthalt im hauseigenen Wellnessbad bis zur Gartenarbeit oder Medikamentengabe. Die WG mit ihren zwölf Zimmern nimmt das Erdgeschoss ein. Außerdem gibt es 26 "normale" Mietwohnungen in den beiden Etagen darüber.

Den finanziellen Aufwand für einen Platz in der Senioren-WG beziffert die Betreiberin mit 1.000 bis 1.200 Euro monatlich. Jedoch seien Menschen, die so viel Geld nicht aufbringen können, keineswegs ausgeschlossen. Heidrich: "Es gibt immer eine Lösung, auch mit Hilfe des Sozialamtes." Je nach Hilfsbedürftigkeit könnten viele Dienstleistungen über die Pflegeversicherung abgerechnet werden.

Keinen Zank und keinen Streit
Diese Sicherheit weiß auch Ingeborg Wetzig zu schätzen. Noch wichtiger erscheint der 87-Jährigen: "Hier gibt es keinen Zank und keinen Streit, wir kommen alle miteinander klar." Das ist kein Zufall. WG-Betreiberin Heidrich: "Ich achte darauf, dass die Chemie stimmt." Zum Wohlbefinden trägt ihrer Meinung nach bei, dass die WG-Bewohner mit ihren eigenen Möbeln einziehen. "Da hängen doch viele Erinnerungen dran", sagt Ingeborg Wetzig. Nach vielen Jahren in Berlin vermisst die Witwe, die Verwandte in Bitterfeld hat, zwar den Kudamm. Doch die Goitzsche, sagt sie, erinnert ein wenig an den Berliner Wannsee.

Das Einzige, was sich im "Palais am See" nicht regeln lässt, ist das Wetter. Dabei wäre das ziemlich wichtig, sagt WG-Bewohner Hartmut Friebe scherzend. Der 89-Jährige sehnt den Sommer herbei. Er will sobald wie möglich die Zehen ins Wasser der Goitzsche strecken. Der Strand liegt nur wenige Meter entfernt. Bis es soweit ist, hält sich der ehemalige Postbeamte gerne im windgeschützten Innenhof auf und füttert dort die Fische im Teich. Die Koi-Karpfen, sagt er, haben Junge bekommen. Das sei ein gutes Zeichen.
Der Mann in der WG: Hartmut Friebe. Vertieft ins Gespräch sind Mitbewohnerin Margot Leifheit und Altenpflegerin Cornelia Sopper. (Foto: Andreas Stedtler)
Der Mann in der WG: Hartmut Friebe. Vertieft ins Gespräch sind Mitbewohnerin Margot Leifheit und Altenpflegerin Cornelia Sopper. (Foto: Andreas Stedtler)




Die Senioren-WG befindet sich im Erdgeschoss in Nähe der Goitzsche. (Foto: Andreas Stedtler)
Die Senioren-WG befindet sich im Erdgeschoss in Nähe der Goitzsche. (Foto: Andreas Stedtler)




So sieht die gemeinsam genutzte Wellness-Oase des Hauses aus. (Foto: Andreas Stedtler)
So sieht die gemeinsam genutzte Wellness-Oase des Hauses aus. (Foto: Andreas Stedtler)
 

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